ARD Tagesschau: Mit hohlen Propagandafloskeln gegen China

ardChina hat Demokratiedefizite – so viel ist klar. Wer meint, man könne ein derartig riesiges, heterogenes und vielschichtiges Land mal eben in eine parlamentarische Pseudo-Demokratie verwandeln, der glaubte vermutlich auch an einen Regime-Change im Irak.

Das soll aber hier nicht Thema sein. Thema sind so billige wie leere Propagandafloskeln, mit denen ARD-Journalisten aus dem letzten Jahrhundert die Zuschauer traktieren. Eine Kostprobe aus dem Allzweckkasten der Propaganda-Plattitüden wurde heute Abend in der Tagesschau serviert. Im Bericht zum APEC-Gipfel in China überrascht Korrespondentin Christine Adelhardt die Zuschauer mit folgender Information:

APEC-Gipfel

 

“Mit viel Pomp und handverlesenen Jubelgruppen empfängt China die Staats- und Regierungschefs zum Bankett.”

 

Handverlesene Jubelgruppen, tatsächlich?! Wer hätte das gedacht? Im ach-so-demokratischen Westen werden Claqueure bei Staatsbesuchen etwa nicht handverlesen, oder was?. Da kann jeder Schützenverein Spalier stehen?

Natürlich nicht! Beim Obama-Besuch in Berlin waren es handverlesene Politkader, Systemfunktionäre und Schüler einer deutsch-amerikanischen Schule, die als Deko und Staffage dienen durften. Dass da auch nur ein einziger ohne Sicherheitscheck bis in den zweiten Verwandtschaftsgrad hinein gekommen wäre, kann man getrost ausschließen.

Was also soll das Gequatsche von handverlesenen Jubelgruppen? Kann man China nicht mit Fakten ans Bein pinkeln? Muss man deshalb die Propaganda-Mottenkiste aus dem Kalten Krieg aufmachen und damit das eigene ramponierte Image weiter in die Gosse ziehen? Oder offenbart die Korrespondentin nur ihre eigene unreflektierte und von Propaganda durchseuchte Weltanschauung?

Apropos “Funktionäre“: Auch das ist ein hohler Propagandabegriff aus der gleichen Mottenkiste, wie Thomas in diesem Kommentar schön dargelegt hat:

“Ist dir schon mal aufgefallen, wie das Wort “Funktionär” in der westdeutschen Presselandschaft verwandt wurde und immer noch wird? Dieser Begriff ist eigentlich recht neutral und bezeichnet einen Menschen, der innerhalb einer Organisation eine bestimmte Funktion einnimmt. Also nicht nur Mitglied ist, sondern organisatorische FUNKTIONEN erfüllt. So gibt es zB. “Parteifunktionäre”. Witzigerweise gab es die aber immer nur in Parteien wie der SED – von der man sich das negative Image des Begriffes ableitete, um es sogleich auf zu diffamierende demokratische Institutionen im Westen zu übertragen. Gewerkschaften vor allem, aber natürlich auch Genossen der SPD. Im Zusammenhang mit konservativen Parteien wie CDU/CSU oder FDP wurde das Wort dagegen praktisch nie verwandt.”

Das ist richtig und gut beobachtet. Man ist von der Propaganda oft dermaßen durchdrungen, dass einem dieser rhetorische Nonsens gar nicht mehr auffällt. Unterbewusst wirkt die negative Konnotierung aber weiter und verfestigt dadurch stereotype Gedankenwelten, die bei Bedarf recht schnell aktiviert werden können. Vielleicht ist ja das der Sinn der Sache.


Quelle und weiterlesen: http://www.propagandaschau.de

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