Kampagne gegen angebliche Hass-Propaganda ist selbst Propaganda

tplogoEin in diesen Tagen besonders wichtiger Artikel von Sascha Pommrenke auf TELEPOLIS analysiert eine vom Familienministerium geförderte Kampagne gegen Hasspropaganda und zeigt, wie diese Kampagne selbst Feindbilder des Westens perpetuiert, anstatt das Thema objektiv zu betrachten.

Die Köpfe hinter der Kampagne tappen in genau die Falle, die wir hier gestern im Zusammenhang mit dem Propagandavorwurf in der Tagesschau gegen den IS beschrieben haben:

Was die ARD unter “Propagandamittel” versteht, ist nicht bekannt. Man wird von den Verantwortlichen auch ganz sicherlich keine Definition bekommen, denn die würde mit vier Fingern auf den eigenen Saustall zurück zeigen.

Wer selbst nicht objektiv ist, wer schamlos Partei ergreift, um einen Konflikt voranzutreiben und die eigene Position zu stärken, indem er den Gegner durch manipulative Informationen zu schwächen oder diffamieren sucht, der treibt Propaganda. Der entscheidende Punkt in der Sache: Für eine Konfliktpartei ist das durchaus legitim – für Medien aber, die unabhängig und objektiv berichten müssen, wie es bei ARD und ZDF der Fall ist, ist diese Propaganda nicht legitim. Dass die Bundesregierung im Konflikt in der Ukraine Partei ist, muss man nicht lange erklären. ARD und ZDF agieren schamlos als “Propaganda Bullhorn” der Bundesregierung und da wundert es nicht, dass auch die Autoren dieser Kampagne unter dem Vorwand, Aufklärung betreiben zu wollen, letztendlich Propaganda betreiben.

Auf der Kampagnenwebseite soll anhand von Beispielen aufgezeigt werden, wie Hass-Propaganda funktioniert und wie sie sofort erkannt werden kann. Ein notwendiges Anliegen. Doch gerade die Auswahl der Beispiele lässt an der Umsetzung des Vorhabens zweifeln. Es besteht die Gefahr, dass die Kampagne seitens einer involvierten Partei im Kampf um Deutungshoheit vereinnahmt wird. Damit würde die Kampagne nicht nur an Integrität verlieren, sondern sie würde selbst zu einem Instrument der manipulativen Meinungsbeeinflussung werden…

Die lange Recherche des Autorenteams hat demnach dazu geführt, dass von acht Hasspropaganda-Beispielen sich vier mit so genannter prorussischer Propaganda beschäftigen, zwei mit Rechtsradikalismus und zwei mit Islamismus. Das Muster wird allerdings nicht unmittelbar deutlich. Auch nicht, wenn man sich die Seiten genauer anschaut. Auf Nachfrage von Telepolis erklärte Gustedt, dass es drei Themenkomplexe gibt. So habe man sich für die Themen Irak/Syrien, Ukraine/Russland und Rechtspopulismus/Rechtsradikalismus entschieden.

Auf Nachfrage, warum gerade diese Auswahl getroffen wurde, wurde um Verständnis gebeten, dass man bei “einer derartigen Kampagne nicht alles anhand von Beispielen darstellen und analysieren” könne, was unter Hass-Propaganda falle. Das ist unmittelbar plausibel. Wenig plausibel ist hingegen das Verhältnis der Beispiele. Warum sind alle vier Propagandafälle des Themenkomplexes Ukraine/Russland “prorussisch”, so als gäbe es keine antirussische Hasspropaganda.

Als ein Beispiel für prorussische “Hasspropaganda” dient ein Video, das auf youtube veröffentlicht wurde und dort läppische 150 Klicks hatte, als Pommrenke den Artikel schrieb. Nun ist das zweifellos ein Propagandavideo, von Hass jedoch keine Spur. Vielmehr unterscheidet es sich kaum von vergleichbaren Machwerken der Bundeswehr. Mit dem Unterschied, dass sich die Bundeswehrpropaganda nicht gegen Nazis richtet.

donbas_vs_nazis

Donbas against Nazi

bundeswehrpropaganda

Bundeswehr

Beide Bilder anklicken, um Videos direkt zu vergleichen!

 

Als weiteres Beispiel für angebliche “Hasspropaganda” wird ein Video der Maidangegner angeführt, das sich zwar in sarkastischer und propagandistischer Art und Weise, aber durchaus argumentativ und begründet, gegen die militärische Aggression Kiews wendet. Von “Hasspropaganda” kann auch in diesem Fall keine Rede sein, es sei denn man weitet diesen Begriff dermaßen aus, dass auch ein Großteil der westlichen Berichterstattung unter diesem Label firmiert.

Alle Beispiele für angebliche “Hass-Propaganda” dieser Kampagne können hier begutachtet werden.

Von journalistisch ausgebildeten Autoren muss man erwarten, dass sie den Kern eines Themas herausarbeiten und trennscharf darstellen können. Davon sind die Macher ausgerechnet bei diesem Thema weit entfernt und müssen sich deshalb vorwerfen lassen, dieses sensible Thema selbst für Propaganda zu missbrauchen.

Pommrenke verweist lobenswerter Weise auch auf das, was im Rahmen von Propaganda immer am schwierigsten zu durchschauen ist: auf das, was gezielt Verschwiegen wird.

Nicht nur, dass es nach langer Recherche des Autorenteams keine antirussische Hasspropaganda gibt, es bleibt auch offen, warum es so ein Missverhältnis bei den Beispielen gibt. Schwer zu glauben, dass man keine antirussische Propaganda auf dem Niveau von “Donbas against nazi – music video” finden konnte. Und warum wurden vier Beispiele aus dem Ukraine-Konflikt genommen? Warum gibt es keine Beispiele zu Antisemitismus? Warum nichts zu Sexismus oder Antifeminismus? Warum wird nicht auf die Hetze der neuen Retter des Abendlandes eingegangen?

Es ist alles andere, als überinterpretiert, wenn Pommrenke als Fazit feststellt:

Vielleicht ist es überinterpretiert. Aber es ergibt sich der Anschein, dass die Beschränkung der Beispiele und die Auswahl selbiger nicht lediglich Zufall sind, sondern Teil der eigenen Ressentiments, Teil des eigenen Weltbildes. Das wäre hingegen ein Bärendienst an der Sache. Denn die Beschränkung der Beispiele auf diese “Bedrohungen” ist selbst wieder nur Wasser auf die Mühlen der Menschenfeinde und Hasspropagandisten. Nur eben derjenigen der Mitte.

Das Anliegen der Kampagne ist unzweifelhaft notwendig und unterstützenswert. Jeder Demokrat wird dies bejahen. Allerdings muss sich solch eine Kampagne an den eigenen Werten messen lassen. Wer gegen Hasspropaganda vorgehen will, muss dies unterschiedslos tun. Die Auswahl der Beispiele lässt daran momentan zweifeln. So läuft die Kampagne Gefahr, seitens einer involvierten Partei im Kampf um Deutungshoheit, vereinnahmt zu werden. Damit würde die Kampagne nicht nur an Integrität verlieren, sondern sie würde selbst zu einem Instrument der manipulativen Meinungsbeeinflussung werden.

Das ist völlig richtig erkannt und zusammengefasst. Die Kampagne reitet auf der Schiene “Wir sind die Guten und die Anderen sind die Bösen”. Das aber ist der Kern jeder Propaganda. Auch die Macher des Donbass-Videos sehen sich als die Guten im ukrainischen Konflikt und Gleiches gilt sicherlich auch für die Extremisten des IS, die ihre eigenen Gräuel mit Gräueln des Westens rechtfertigen können. Der Kern der Propaganda aber bleibt das Schüren eines Feindbildes und in dieser Frage ist diese Kampagne tatsächlich selbst Propaganda und nicht Aufklärung.

Propaganda


Quelle und weiterlesen: http://www.propagandaschau.de

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