Spiegel/dpa: “Russland testet sein Erstschlagarsenal”

Spiegel/dpa: “Russland testet sein Erstschlagarsenal”

spon_topol-mEs liegt in der aberwitzigen Logik der Kriegstreiber und Militaristen, Atomwaffen in Erstschlag- und Zweitschlagswaffen einzuteilen. Prinzipiell handelt es sich um die gleichen Waffen, die größtenteils sowohl, als auch eingesetzt werden können.

Die Topol-M ist eine russische Antwort auf den Raketenschirm der USA, der das Gleichgewicht der Abschreckung zweifellos aufheben und US-Militärs dazu verleiten könnte, sich einzubilden, sie könnten Russland vernichten, ohne sich selbst zu gefährden. Anstatt es beim Status Quo der gegenseitigen Abschreckung zu belassen, treiben die USA nicht nur die NATO weiter gen Osten – was Vorwarnzeiten extrem verkürzt – sie basteln auch fleißig an ihrem Raketenschirm, was in den transatlantischen Medien weitestgehend banalisiert oder totgeschwiegen wird.

Dass die Russen sich angesichts dieser Entwicklung bedroht fühlen müssen, kann nur ein totaler Idiot oder US-Demagoge in Abrede stellen. Weil sie dem Treiben nicht untätig zusehen können, sind die Russen gezwungen gegenzuhalten und haben mit der Topol-M eine Rakete entwickelt, die durch ihre ausgefeilte Technik geeignet ist, einen Raketenschirm zu überwinden und die selbst dem EMP (Elektromagnetischen Impuls) eines US-Erstschlags trotzen würde.

Die FAZ schrieb 2007 über die Topol-M:

Unter Fachleuten gilt die Rakete schon heute als hervorragende Zweitschlagswaffe, mit der aber auch ein erfolgreicher Erstschlag geführt werden könne. Der Gefechtskopf der Topol-M, heißt es, sei in der Lage, nach dem Start von einer ballistischen in eine semiballistische Flugbahn zu wechseln und sei daher von Raketenabwehrsystemen nur schwer zu zerstören.

Die politischen Hintergründe der US-Aufrüstung und Kriegstreiberei werden vom Hetzblatt Spiegel – und der nicht weniger politisch gesteuerten dpa – komplett ausgeblendet, wenn in dem oben verlinkten Artikel gezielt irreführend von einer “Erstschlagswaffe” gesprochen wird. Es ist nicht nur vollkommen ausgeschlossen, dass Russland in einem Erstschlag das gesamte US- und NATO-Atomwaffenarsenal ausschalten könnte, es wäre auch schon Selbstmord, ohne dass NATO-Atomwaffen aus Russland regnen würden, denn mit so einem Schlag wäre nicht nur die halbe westliche Hemisphäre zerstört und verseucht, sondern auch niemand mehr da, der russisches Gas und Öl kaufen könnte.

Ein russischer Erstschlag ist also schon aus einfachsten logischen Erwägungen kompletter Schwachsinn, was die Demagogen nicht hindert, ihn propagandistisch als Angstszenario in den Raum zu stellen, um Russland zu dämonisieren und weitere westliche Aufrüstung zu rechtfertigen.

Die Informationsstelle Militarisierung schrieb im selben Jahr über die US-Kriegstreiberei:

Im regierungsoffiziellen “Nuclear Posture Review” selbst wird Moskau ebenfalls offen als mögliches Ziel amerikanischer Nuklearwaffenangriffe benannt und betont, dass “die USA für den Fall sich erheblich verschlechternder russisch-amerikanischer Beziehungen möglicherweise schnell in der Lage sein müssen, ihre atomare Truppenstärke und Zusammensetzung zu verändern.”[15]

Die Tragweite dieser Sätze ist kaum zu überschätzen. Denn sie kündigen das bislang gültige Paritätsprinzip auf, das mittels Rüstungskontrollverträgen ein annähernd gleiches Niveau der russischen und amerikanischen Atomwaffenarsenale festschrieb und damit explizit verhinderte, dass eine der beiden Seiten eine nukleare Vormachtstellung erlangen konnte. Da dieses Paritätsprinzip von den USA mittlerweile einseitig aufgekündigt wurde, sieht Moskau darin einen gezielten Versuch, die russische Zweitschlagfähigkeit zu negieren, also dass sich die USA “im Falle sich verschlechternder Beziehungen” in die Lage versetzen wollen, mit einem Erstschlag den Großteil der russischen Atomwaffen ausschalten und den Rest ggf. mit seinem Abwehrschild neutralisieren zu können.

Sollten die USA hierzu wirklich in der Lage sein, würde dies die bisherige strategische Balance fundamental zuungunsten Russlands verändern, wie das wichtigste wissenschaftliche Pentagon-Beratungsgremium, das “Defense Science Board”, ausführt: “Wenn die USA über eine solche [Erstschlags]Kapazität gegenüber irgendeinem Land verfügen, dann behandeln wir dieses Land in derselben Kategorie wie ein mit Massenvernichtungsmitteln bewaffneter Schurkenstaat – das bedeutet, ein Land, dessen Massenvernichtungsmittel die USA mit akzeptablen Risiken neutralisieren kann.”[16] Mit anderen Worten, allein die Fähigkeit einen nuklearen Entwaffnungsschlag plausibel androhen zu können, könnte für Moskau zur Folge haben, dass es sich denselben Erpressungen ausgesetzt sehen wird, wie sie in Washingtons Umgang mit “Schurkenstaaten” bereits heute die Normalität darstellen.

So abenteuerlich dies auch klingen mag, Washingtons Rüstungsprojekte deuten darauf hin, dass genau dies beabsichtigt wird. Berücksichtigt man zudem, dass sich die russisch-amerikanischen Konflikte in den letzten Jahren tatsächlich gravierend verschärft haben – man denke nur an Putins deutliche Worte auf der Münchner Sicherheitskonferenz Anfang 2007 – und inzwischen wieder offen von der Möglichkeit eines “Neuen Kalten Krieges” gesprochen wird, hat Moskau sicher allen Grund, besorgt zu sein. (LINK)


Quelle und weiterlesen: http://www.propagandaschau.de

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